BAM Untersuchungsbericht

Aktenzeichen

Ausfertigung

Antragsteller/ Auftraggeber

 

Antrag/Auftrag vom

Eingegangen am

Zeichen

Untersuchungsgegenstand
des Antrages/Auftrages

Dürchgeführt am

Untersuchungsort

Untersuchung

Untersuchungsbericht

IV.1/7877

1.

Kohler Automaten
Angerberg 7-9,
35510 Butzbach

2005-03-16

2005-03-18

Einsatz von Mikrowellen gegen Holzschädlinge

Dürchgeführt am 2005-04-21

Untersuchungsort Berlin-Lichterfelde

Untersuchung Wirksamkeitstest von Mikrowellen gegen Larven des
Hausbockkäfers Hylotrupes bajulus und gegen
Oberflächenmyzel des Echten Hausschwammes
Serpula lacymans

Durchführung der Versuche

Die Wirksamkeit des vom Antragsteller bereitgestellten und selbst bedienten
Mikrowellengenerators wurde in 3 unabhängigen Wiederholungen und einer unbehandelten
Kontrolle ermittelt.
Als Prüfkörper wurde Splintholz der Kiefer (Pinus sylvestris) gemäß EN 1390 verwendet,
das jeweils mittig in den Hirnflächen drei Lochbohrungen (ca. 70 mm tief) aufwies. Eine
Larve des Hausbockkäfers Hylotrupes bajulus bzw. ein mit Myzel des Echten
Hausschwammes Serpula lacymans bewachsener Kiefernsplintholzstift (8 mm x 8 mm x 50
mm) wurden in die mittleren Löcher (∅ 3 mm für Hausbocklarve und 11 mm für
Hausschwammprobe) einer jeden Hirnfläche eingebracht (Abb. 1). Diese Löcher wurden
anschließend mit einem Kiefernholzdübel verschlossen. In den zwei äußeren Löcher einer
jeden Hirnfläche (∅ 6 mm) wurden die Holztemperaturen während der Applikation
gemessen und elektronisch aufgezeichnet. Die Messpunkte 1 und 2 befanden sich auf
Niveau der Hausbockprobe, die Messpunkte 3 und 4 auf Niveau der Hausschwammprobe.

Weitere Temperaturmesspunkte waren auf der Oberseite und der Unterseite des
Prüfkörpers sowie im Bohrloch mit der Hausschwammprobe angebracht. Anschließend
wurde der Prüfkörper mit Styropormaterial (ca. 5 mm) eingehaust (Abb. 2) und der
Mikrowellenbehandlung aus dem Generator bündig von oben unterzogen (Abb. 3).
Bei den Versuchsdurchläufen 1 und 2 wurden Mikrowellen über einen Zeitraum von 10 min.
zur Erwärmung der Probe auf über 80 °C generiert. Der anschließende Temperaturabfall
wurde über die Zeit bestimmt. Bei erwartetem Temperaturabfall unter 55 °C innerhalb der
60 Minuten Versuchszeit wurden wiederholt Mikrowellen zur erneuten Aufheizung der
Probe erzeugt.

Der gesamte Temperaturverlauf aller 4 Messpunkte an den Hirnflächen des Prüfkörpers
wurden aufgezeichnet und ist jeweils in den Abbildungen 4 bis 6 wiedergegeben. Von den
anderen Temperaturmesspunkten sind Eckdaten vermerkt (Tab.).

60 Minuten nach Beginn der Anfangserwärmung wurden die biologischen Proben
entnommen. Der Effekt gegenüber Larven des Hausbockkäfers konnte sofort ermittelt
werden (Abb. 7). Die hausschwammbewachsenen Kiefernsplintholzstifte wurden zunächst
auf je eine Nährmedien-Agar-Platte transferiert und 14 Tage bei 21°C inkubiert um ggf.
erneutes Myzelwachstum zu induzieren (Abb. 8).
Versuchsdurchlauf 3 unterschied sich nur durch die ausbleibende Mikrowellenbehandlung
und fungierte als unbehandelte Kontrolle.
Versuchsdurchlauf 4 unterschied sich durch Verdopplung des Prüfkörpervolumens. Zwei
Prüfkörper EN 1390 wurden gestapelt mit den entsprechenden biologischen Proben im unteren
Prüfkörper und der Behandlung mit Mikrowellen unterzogen. Eine zusätzlicher
Temperaturmesspunkt wurde zwischen den Prüfkörpern eingerichtet. Die Anfangserwärmung
mittels Mikrowellen wurde über 15 min. durchgeführt.

Tabelle: Temperatureckdaten in °C weiterer Temperaturmesspunkte (Tmp)

Ergebnis

In allen Versuchsdurchlaufen mit aktiven Mikrowellen wurden die Larven des Hausbockkäfers
(164 mg in Versuch 1; 112 mg in Versuch 2; 156 mg in Versuch 4) abgetötet, während die
Larve im Kontrollversuch (114 mg in Versuch 3) überlebte (Abb. 7).

Nach allen Versuchen mit aktiven Mikrowellen konnten die Proben mit Hausschwammmyzel
nach Transfer auf je eine Nährmedien-Agar-Platte und 14-tägiger Inkubation bei 21°C nicht
erneut auswachsen, während die Kontrollprobe starkes Myzelwachstum erkennen lies (Abb. 8).

Zusammenfassung
Unter den oben aufgeführten Versuchbedingungen konnte eine abtötende Wirkung von
Mikrowellen gegenüber dem Hausbock
Hylotrupes bajulus und dem Echten Hausschwamm
Serpula lacrymans erzielt werden.

Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
Arbeitsgruppe IV.1 Biologie im Umwelt- und Materialschutz

Arbeitsgruppe IV.11 Materialschutz gegenüber Pilzen und Insekten
12200 Berlin, 12. Mai 2005

im Auftrag im Auftrag
Dr. R. Plarre
Arbeitsgruppenleiter
Dipl. Ing. S. Göller
Sachbearbeiter
Verteiler: 1. Ausfertigung: Antragsteller

Anschrift:

Dipl. Ing. Fritz Kohler
Breslauer Str. 6
D-35789 Weilmünster