Biologisch Wissenswertes zur Holzschädlingsbekämpfung

Bekämpfung von Holzschädlingen im Holz

Von Joachim Wießner, Sachverständiger für Holzschutz, www.jochenwießner.de

Wissenswertes über die Verbreitung von Holzschädlingen im Holz

Holz ist ein natürlicher Baustoff und unterliegt somit dem Kreislauf der Natur. Wenn der natürliche
Zersetzungsprozess mit dem Holz zu Ende ist, dann liegt Humus vor. Praktisch jede Holzart und für
jede Einbausituation gibt es geeignete Schadorganismen, die dem Holz zusetzen können.
Die in unseren Gebäuden am häufigsten vorkommenden Insekten sind der Gewöhnliche Nagekäfer,
der Gescheckte Nagekäfer und der Hausbock. Der Hausbock benötigt überwiegend trockenes Holz,
wobei Holzfeuchten bis 8 % für ihn geeignet sind zur Entwicklung. Der Gewöhnliche Nagekäfer
braucht mindestens 16 % Holzfeuchte, das Lebensoptimum für ihn ist eine Holzfeuchte von ca. 35 %.
Ähnlich sieht es beim Gescheckten Nagekäfer aus, der allerdings auf Pilz befallene Hölzer für die
Eiablage angewiesen ist.
Durch den Verzicht auf Holzschutzmittel ist es in den letzten Jahren wieder vermehrt zu Befall durch
Hausbock in Wohnräumen gekommen. Dort stört das Nagegeräusch der Larven. Um eine sichere
Bekämpfung durchzuführen, ist es notwendig, die Lebensweise des Hausbockes zu kennen.
Der Hausbock befällt das Holz, indem das Hausbockweibchen die Eier in Risse im Holz ablegt. Diese
Risse haben eine Breite von 0,2 – 0,5 mm. Die Tiefe sollte zwischen 1,2 und 1,8 cm liegen, so lang ist
jedenfalls die Legeröhre des Hausbockweibchens.
Pro Gelege werden mind. 30 Eier, max. 60 Eier abgelegt. Deshalb ist es technisch unmöglich, dass in
einem Balken nur eine einzige Larve vorhanden ist.
Der Hausbock frisst im nahrhaften Splintholz. Das Splintholz ist an der Außenseite des Bauteils zu
finden. Die Hausbocklarven können bei Kiefernholz den Kern kaum überwinden, das heißt also, der
Befall befindet sich immer nur im Splintbereich. Das trifft auch auf die Holzart Lärche zu. Bei
Fichten- und bei Tannenhölzern ist es durchaus denkbar, dass der Hausbock auch in das Reifholz
eindringt. Wenn also nur an den Kanten des Balkens der nahrhafte Splint ist, ist die Hausbocklarve in
dieser Holzzone gefangen.
Generell bleibt er aber immer direkt unter der Holzoberfläche. Hat die Hausbocklarve genug
gefressen, dann hat sie das sog. Verpuppungsgewicht erreicht. Es beträgt pro Larve etwa 2,5 g. Dann
benötigt der Hausbock einen Impuls von kalt nach warm, wie er im Frühjahr in den normalen
Holzkonstruktionen vorzufinden ist. Dieser Verpuppungsimpuls führt dazu, dass die Hausbocklarve
sich ganz dicht unter die Holzoberfläche einnagt und dort nur eine papierdünne Schicht Holz zur
Außenluft stehen lässt. Sie bildet eine Puppenwiege und die Verpuppung dauert etwa 6 Wochen.
Anschließend schlüpft das fertige Insekt. Es durchbeißt die Holzoberfläche und fliegt aus.
Somit handelt es sich bei diesen ovalen Löchern um Ausfluglöcher, nicht um Einfluglöcher. Die
Ausfluglöcher zeigen an, dass dort der Hausbock (die Larve) gelebt hat. Er (sie) ist jetzt nicht mehr da.
Der Hausbock hat natürliche Feinde. Ein Feind ist der Specht. Hört der Specht Fraßgeräusche der
Hausbocklarve, dann hebelt er mit seinem starken Schnabel die Holzoberfläche auf und frisst die
Larve. Sofern also eine Hausbocklarve ein Klopfen am Holz hört, hört sie auf zu fressen. Diese
Fresspause kann mehrere Tage dauern.
Zudem sitzen die Hausböcke in unterschiedlichen Holztiefen (im Milimeterbereich) und in
unterschiedlichen Jahrringbreiten. Je nachdem, wie hier die Beschaffenheit des Holzes ist, gibt es
einen mehr oder weniger starken Resonanzboden, der die Fraßgeräusche dieses Insektes verstärkt. Um
das einmal ganz krass auszudrücken, ist der Hauptkrachmacher weg, hört man erst die anderen Larven
nagen.

Der Hausbock überwindet mehrere Meter im Holz in seinem Leben. Wird z. B. an einem 10 m langen
Sparren eine Hausbocklarve an einem Ende eingesetzt, so kann festgestellt werden, dass nach 3 – 5
Jahren die Hausbocklarve auch diese 10 m überwunden haben kann. Das lässt sich auch ableiten aus
der Fressgeschwindigkeit, die die Hausbocklarven z. B. in Probeklötzchen vorlegen. Sie sind durchaus
in der Lage, pro Tag 1 – 2 cm im Kiefernsplintholz zurückzulegen.
Außerdem hat die Hausbocklarve eine unangenehme Eigenschaft. Sie kann sich von einem Bauteil in
das nächste einnagen. Das geschieht in aller Regel dann, wenn die Bauteile press aufeinander liegen.
Selbst Brettschichtleimbinder sind davon nicht ausgenommen.
Um also den Hausbock wirksam zu bekämpfen, ist eine genaue Kenntnis der Ausbreitung des
Hausbocks notwendig. Das ist aber gar nicht so einfach festzustellen. Ausfluglöcher zeigen nur an, wo
er gewesen ist. Sind Ausfluglöcher da, sind Insekten geschlüpft. Üblicherweise schlüpfen bei den
Insekten etwa 50 % Männchen und 50 % Weibchen. Es kommt also mit großer Sicherheit zu einer
Paarung der Insekten und damit zu einer weiteren Eiablage.
Da der Hausbock mittlerweile wieder vermehrt in Wohnräumen vorkommt, hat er diesen
Verpuppungsimpuls durch den Temperaturwechsel nicht. In diesem Fall schlüpft der Hausbock dann,
wenn die Hausbocklarve das entsprechende Verpuppungsgewicht erreicht hat. Das ist praktisch
gesehen das ganze Jahr über. Auch das erschwert die Bekämpfung des Hausbocks.
Wer hier nicht ganz genau beobachtet, wann welche Ausfluglöcher wo entstanden sind, erlangt keinen
Überblick darüber, wie weit die Hausböcke ausgebreitet sind und letztendlich auch wo gerade sich der
aktive Befall befindet.
Die Entwicklungsgeschwindigkeit im Holz ist ebenfalls nicht immer gleichmäßig. So wird dem
Hausbock bestätigt, dass eine normale Entwicklung im frischen Bauholz 3 – 5 Jahre dauert. Setzt man
das einmal rechnerisch um, fliegen spätestens nach 15 Jahren jährlich Hausböcke aus.
Es macht also für die Bekämpfung mit der Mikrowelle keinen Sinn, hier nur punktuell das Holz zu
bestrahlen. So einfach eine Hausbockbekämpfung bei entfernter Betrachtung erst einmal aussieht,
umso schwieriger wird die Beurteilung einer Bekämpfung, wenn man sich mit dem Hausbock
auskennt.
Ähnlich sieht es mit dem Gewöhnlichen Nagekäfer aus. Dieser auch als Anobium oder Holzwurm
bezeichnete Holzschädling benötigt für seine Entwicklung feuchteres Holz. Ein typisches
Verbreitungsgebiet sind z. B. Kirchen, Garagen, Dachstühle, Scheunen, Ställe und allgemein
Lagerräume, die nicht geheizt sind. Dazu gehören auch Dachböden.
Der Holzwurm hat so einige Vorlieben. Besonders gern befällt er Eichensplintholz. Er frisst generell
im Inneren des Holzes, also nicht unter der Oberfläche. Das liegt daran, dass innerhalb eines
Holzbauteils im geografischen Mittelpunkt die geringsten Feuchteschwankungen auftreten. Das
bevorzugt der Holzwurm, auch der Gescheckte Nagekäfer. Die Entwicklungszeit dieser Insekten wird
mit 3 – 5 Jahren angegeben. Auch hier muss berücksichtigt werden, dass der Nährstoffgehalt des
Holzes eine Rolle spielt, aber auch die Entwicklungstemperaturen. Bei höheren Temperaturen kann
sich der Holzwurm schneller entwickeln, die Entwicklungszeit liegt bei etwa 3 Jahren.
Der Holzwurm hat eine unangenehme Eigenschaft. Er schlüpft aus den eigenen alten Ausfluglöchern
aus. Sind also schwarze Ausfluglöcher vorhanden, dann heißt das noch lange nicht, dass der Befall
erloschen ist. Zudem wirft der Holzwurm kein Fraßmehl aus, entgegen den Angaben in der
Fachliteratur. So hat ein Zimmermann bei jahrelanger Beobachtung eines befallenen Möbelstücks
festgestellt, dass die Holzwürmer beim Schlüpfen praktisch kein Fraßmehl auswerfen, der
Folgeschädling aber, der Blaue Fellkäfer, überwiegend dafür verantwortlich ist, dass diese
Fraßmehlhäufchen entstehen.

Das heißt aber im Umkehrschluss, dass man durch Ansehen des Holzes nicht erkennen kann, ob
aktiver Befall vorhanden ist, wenn kein Fraßmehl liegt. Liegt aber Fraßmehl da, dann ist zumindest
sicher, dass die natürlichen Feinde des Holzwurms anwesend sind. Diese natürlichen Feinde können
sich umso mehr vermehren, wie Larven vom Holzwurm vorhanden sind. Damit kann man anhand der
vorgefundenen Fraßmehlhäufchen durchaus zurück schließen, dass der Holzwurm aktiv vorhanden ist.
Wird jetzt mit der Mikrowelle nur punktuell das Holz erhitzt, wo sich gerade die Fraßmehlhäufchen
auffinden, dann wird dort letztendlich nur der Blaue Fellkäfer bekämpft. Die eigentliche Ausbreitung
des Holzwurms ist in keiner Weise damit abgedeckt. Auch hier macht es nur Sinn, das gesamte Holz
zu bestrahlen. Da der Befall aber in der Mitte des Bauteils ist, sind bei größeren Querschnitten
Fraßgeräusche fast nicht zu hören.
Der Gescheckte Nagekäfer ist auf Pilz befallenes Holz angewiesen. Er ist von der Natur für
Eichenkernholz mit Pilzbefall vorgesehen, befällt aber auch Nadelhölzer mit Pilzbefall.
Ist die Larve erst einmal erwachsen, dann kann sie sich bis zu 2,50 m vom Pilzbefall entfernt in
gesundes Holz einbohren. Um das praktisch auszudrücken: Liegt bei einem Fachwerkpfosten im
Fußbereich Befall durch den Gescheckten Nagekäfer vor, so muss mit der Mikrowelle nicht nur der
Fußbereich, sondern von da ausgehend bis 2,50 m über dem letzten Ausflugloch eine Bekämpfung
durchgeführt werden. In aller Regel bedeutet das, dass das gesamte Bauteil im Fachwerk zu behandeln
ist.
Wird dieses Behandlung nicht über die gesamte Länge durchgeführt, dann können Insektenlarven
überleben. Durch die Hitzebehandlung hat sich das Holz nicht verändert. Das Pilz befallene Holz
bleibt. Den Insektenlarven ist es egal, ob der Pilzbefall noch lebt oder abgestorben ist.
Damit sind den Larven bei weiter eintretender Feuchtigkeit die Nahrungsgrundlagen wieder gegeben
und auch ein neuer Zuflug ist möglich. Hier tritt dann ein weiterer Aspekt der Hitzebehandlung zum
Vorschein. Durch die Hitze wird kein vorbeugender Schutz im Holz erzeugt.
Das heißt, dass bei unveränderten Rahmenbedingungen das Holz weiterhin seine physikalischen
Eigenschaften behält und damit ein Neubefall wieder möglich ist.
Hier gehört eine ausreichende Erfahrung dazu, anhand der äußeren Bedingungen auf die
Wiederbefallbarkeit zu schließen. Andernfalls muss die Hitzebehandlung als ständig wiederkehrende
Gebäudeunterhaltungsmaßnahme angesehen werden.
Bei den Nagekäfern kommt hinzu, dass nicht immer frisch rieselndes Mehl von Holzschädlingen oder
deren natürlichen Feinden stammt. Wenn Holz z. B. trocknet ändert es sein Volumen. Durch die
Volumensänderung werden in den Fraßgängen festgekeilte Fraßmehlrückstände gelockert. Kommt es
nun zu Erschütterungen im Umfeld, z. B. fährt ein schwerer LKW auf der Straße am Haus vorbei,
dann kann es zum Ausrieseln des Fraßmehls kommen. Auch hier gehört genügend Erfahrung dazu, ein
solches Ausrieseln zu beurteilen. Häufig werden dann Monitoringsysteme eingesetzt, die es
ermöglichen, zwischen aktivem Befall und ausrieselndem Fraßmehl durch Erschütterungen zu
unterscheiden.
Bevor also eine Hitzebehandlung des Holzes durchgeführt wird, ist es sinnvoll, sich über die
Schädlinge näher zu informieren und vor Ort zu prüfen, wie groß die Ausbreitung der Schädlinge sein
kann. Es ist daher sinnvoll, sich für die Beurteilung eines solchen Befalls sachverständige Hilfe zu
holen. Auf Wunsch kann ich Ihnen mit entsprechenden Adressen weiterhelfen.

Anschrift:

Dipl. Ing. Fritz Kohler
Breslauer Str. 6
D-35789 Weilmünster